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Im Rahmen seines Jahresprogramms besuchte der Tübinger genealogische Arbeitskreis am 18.7.2018 die ehemalige Textilfabrik Pausa in Mössingen.

Pausa

Die Firmengeschichte der Pausa ist sehr eng verknüpft mit dem Brüderpaar Artur und Felix Löwenstein, die die Firma kurz nach dem Ersten Weltkrieg von ihren Vorgängerbesitzern Bernheim und Söhne aufgekauft hatten.
Das Brüderpaar, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts geboren, stammte aus einer Stuttgarter Unternehmerfamilie jüdischen Ursprungs.
Beide unternehmerisch aktiv und wagemutig, zudem mit einem hohen künstlerischen Gestaltungswillen, hatten in kurzer Zeit ein Unternehmen geschaffen, das Absatzmärkte im internationalen Rahmen besaß.
Berühmt wurde die Firma unter ihrer Leitung weniger durch die Stoffweberei, sondern vielmehr durch die moderne Technik des Siebdrucks.

Bereits Ende der zwanziger Jahre verlegten die Löwensteins ihre stetig expandierende Firma an den Stadtrand von Mössingen. Im neuen Pausaareal entstand ein moderner Shedbau, - heute inzwischen abgerissen - der die Weberei beherbergte und gleichzeitig für die Arbeiterschaft bessere Arbeitsbedingungen schuf.
1936 mussten die Löwensteins ihren Betrieb unter dem Druck der nationalsozialistischen Machthaber unter Wert verkaufen. Den beiden Familien gelang die Emigration nach England.

Nachdem die Phase der Arisierungs-Profiteure Burkhardt-Greiner mit der Naziherrschaft zu Ende ging, wurde die Nachkriegsgeschichte der Textilfabrik Pausa mit der Person um Willy Häussler eine weitere Erfolgsgeschichte. Häussler orientierte sich, wie bereits die Gebrüder Löwenstein es vor ihm getan hatten, an den ästhetischen Ansprüchen des Bauhauses. Willy Häussler machte die Pausa, was sie bereits unter den Löwensteins gewesen war, zu einem „Trendsetter im Bereich des Textildrucks“.

Heute zeugen nur noch die im Bauhausstil errichteten Gebäude aus den 50-iger Jahren von der einstmaligen Bedeutung dieses florierenden Wirtschaftsunternehmens. Sie gelten inzwischen als bedeutende Industriebauten der Nachkriegszeit und sind gemeinsam mit den erhaltenen Sammlungen und der Ausstattung der Gebäude in das Denkmalbuch des Landes Baden-Württemberg eingetragen.

Frau Dr. Franziska Blum, Stararchivarin von Mössingen und Leiterin der Museen, führte den Arbeitskreis bei seinem Rundgang und sie ermöglichte uns einen hochinteressanten Einblick in die noch erhaltenen Gebäude rund um den Löwensteinplatz.
In dem ehemaligen Verwaltungsgebäude, in dem noch alte Musterbücher und Stoffproben erhalten waren, existieren heute noch Firmenräume mit Originalausstattung aus den 60-iger Jahren.

Namhafte Künstler wie Andreas Felger, Werner Panton, HAP Grieshaber u.a., hatten für die Firma gearbeitet und ihre künstlerischen Spuren hinterlassen.

Der Rundgang über das ehemalige Firmengelände war spannend und zugleich staunt man immer wieder welche „Schätze“ so unmittelbar vor unserer Haustüre liegen.

Tübingen, den 29.7.2018

Brigitte Szydlak

 

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