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Ein vorweihnachtlicher Rundgang des Tübinger genealogischen Arbeitskreises in der Tübinger Stiftskirche am 18.12.2018. Drei ausgewählte Epitaphe wurden von Arbeitskreismitgliedern vorgestellt.

 

Rolf Kern: Pfalzgraf Georg Otto, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog in Bayern, (*1614 Lützelstein, + 1635 Tübingen).

PfalzgrafOttoPfalzgraf Georg Otto war ein direkter Verwandter des württembergischen Herrscherhauses: Seine mütterliche Linie reicht über seine Großmutter, Dorothea Maria, einer Tochter Herzog Christophs in die alleroberste Stufe der württembergischen Herrscherdynastie. Auch die Schwester seines Vaters war mit dem späteren 5. Herzog Ludwig von Württemberg, einem Sohn Herzog Christophs verheiratet. Das väterliche Herkommen ist ebenfalls bis ins schwedische Herrscherhaus der Wasa in direkter Linie zu verfolgen. Weitere verwandtschaftliche Beziehungen reichen ins bayerische königliche Herrscherhaus.

Das Epitaph, an prominenter Stelle im Chor der Kirche angebracht, ist beidseitig jeweils mit acht Wappen verziert, dient als Beweis seiner prominenten Abstammung. Der weitverzweigte adelige Stammbaum, der ihn bis hin zu den führenden europäischen Herrscherfamilien führt, zeigt deutlich die enge familiäre Verflochtenheit der europäischen Herrscherfamilien untereinander. Das Epitaph ist zurückhaltend mit figürlicher Ornamentik und wirkt schlicht.
Das jung zu Ende gegangene Leben des Pfalzgrafen Georg Otto begann in Lützelstein, einem Ort im Unterelsass. Die Pfalzgrafen zu Rhein hatten ihre Besitzungen im Elsass, in der Rheinpfalz, an der Mosel und in Bayern. Mit bereits fünf Jahren kam er nach Hipoltstein, südlich von Nürnberg, zu seiner Großmutter Dorothea Maria. Sie hatte dort ihren Witwensitz inne. Mit neun Jahren wurde er zu seiner Tante, der verwitweten Herzogin von Württemberg, Ursula, nach Nürtingen geschickt. Reisen brachten ihn nach Basel und Straßburg, wo er mit Gelehrten verkehrte. In seiner Person vereinigten sich ritterliche Fertigkeiten und Tugenden sowie Weltgewandtheit. Französisch sprach er fließend. Der Tod seiner Tante brachte ihn wieder zurück, wobei er im gleichen Jahr wie sie 1635 in Tübingen verstarb. Die sterblichen Überresten der beiden liegen unter dem Boden des Chors bestattet. An ihn erinnert das Epitaph, an sie eine Grabplatte, die ebenfalls im Chor der Stiftskirche im Boden eingelassen ist.
Die Grabplatte zu ihrem Gedenken wurde 2004 von seiner Königlichen Hoheit, Herzog Carl von Württemberg und der Firma Zimmermann aus Dettenhausen finanziert.

 

Frau Prof. Dr. Ingrid Gamer-Wallert: Wolfgang Adam Lauterbach

( * 1618 Schlaiz/Vogtland, + 1678 Waldenbuch)

LauterbachWolfgang Adam Lauterbach, Rechtsgelehrter in Tübingen, stammte ursprünglich aus dem Vogtland, hatte an unterschiedlichen Universitäten Rechtswissenschaften studiert und immatrikulierte sich zum Beendigen seines Studiums in Tübingen, das er auf einer Kavalierstour kennenlernte.
Eine steile Karriere war ihm im Anschluss daran in Tübingen beschieden: 30 Jahre hatte er den Lehrstuhl für Pandekten inne, er begleitete eine Professur am Collegium Illustre, das er nach dem 30-jährigen Krieg wieder aufbaute, war Richter am Hof, lange Zeit Rat des Hauses Württemberg und Direktor des kirchlichen Konsistoriums. Diese enorme Fülle von Ämtern begleitete er zeitlebens.
In einer Zeit als die juristische Fakultät Tübingens noch aus Männern bestand, die teufelsgläubig und den Methoden der Folter großen Glauben schenkten, erwies sich Lauterbach als ein Jurist mit Augenmaß und ein Mann der Aufklärung.
Genügte bei Verurteilungen in der damaligen Zeit oft nur die üble Nachrede oder ein nicht unter Beweis zu stellendes Gerücht um eine Person der Folter oder dem Scharfrichter auszuliefern, verurteilte Lauterbach diese „Fama“ als die eigentliche Widersacherin von Recht und Wissenschaft.
In einer düsteren Zeit, in der der Aberglauben in der Maske der Gelehrsamkeit einherging, zeigte Lauterbach die Stirn und konnte mit seinem liberalen Votum einer als Hexe angeklagten Frau den Verbrennungstod auf dem Scheiterhaufen ersparen. Ein einzigartiges Beispiel aufgeklärten Handelns.
„Heute“, schrieb Martin Crusius 1596 in sein Tagebuch, „wurden in Rottenburg zehn Hexen verbrannt – in Gruppen – an eine Säule gebunden. Ich hatte deshalb in meiner Thukydides-Vorlesung nur wenige Hörer. Die meisten waren, um zuzuschauen, nach Rottenburg gezogen.“
Dem aus dem Vogtland stammenden Lauterbach gelang es durch seine enorme Reputation und durch die Einheirat in Tübinger Familien, erst seine dritte Frau hat ihn überlebt, die perfekte Integration in das soziale Umfeld Tübingens. Stammten doch die meisten Tübinger Professoren damals aus dem württembergischen Herzogtum selbst.
Sein Epitaph, das ihm seine dritte Frau stiftete, besticht durch eine schlichte Ausführung. Zu sehen ist eine türblattgroße Platte in der Vorhalle der Stiftskirche, gefertigt aus einem rötlichen Stein. Der einzige Schmuck ist eine Inschrift in goldenen Buchstaben.

Dr. Johann Ottmar: Johann Conrad von Wernau ( * unbekannt, + 1553 Tübingen)

Grabmal des Johann Conrad von Wernau in der Tübinger Stiftskirche.

Johann Conrad von Wernau war württembergischer Ritter und immatrikulierte sich 1552 an der Eberhard Karls Universität in Tübingen. Er entstammte aus dem Geschlecht derer von Wernau, die ab dem 14. Jahrhundert mehrfach erwähnt wurden, da sie im Gefolge der württembergischen Grafen und Herzöge auftraten.
Das Epitaph zeigt ihn in einer nicht ganz eindeutigen „Stehend-Liegend-Haltung“. Johann Conrad von Wernau steht als Symbol der Stärke oder auch als Hinweis auf das ewige Leben auf einem Löwen, das Kissen unter seinem Kopf erweckt den Eindruck des Liegens.
Ein Streithammer in seiner linken Hand, ein Dolch sowie ein Schwert sind die Insignien, die ihn als Ritter auszeichnen. In der rechten Hand hält er eine Pergamentrolle versehen mit seinem Wappen, unter seinem rechten Arm eingeklemmt ist eine Bibel oder eventuell ein wissenschaftliches Buch, das ihn als einen den Studien zugewandten gebildeten Mann zeigt. Die Gegenstände verweisen ihn sowohl als ein dem Adel zugehöriges Mitglied, als auch auf seinen Status als Studenten.
Er starb im Alter von nicht einmal zwanzig Jahren in Tübingen.
Ein Nachruf von Wilhelm Xylander (deutscher Humanist und Gelehrter) 1557 verfasst, war ebenfalls wie Johann Conrad von Wernau nahezu zeitgleich in Tübingen immatrikuliert und vermutlich Hofmeister des adeligen Studenten. Er bezeichnet den Verstorbenen als einen mit „hervorragenden geistigen Fähigkeiten“ ausgestatteten Mann, so habe ihn „die Parze, in der ersten Blüte der Jugend mit eiliger Hand seines Lebens Faden zerschneidend, weggenommen.“ Der frühe Tod des jungen adeligen Mitstudenten scheint auch ihn getroffen zu haben, denn tröstlich scheint für ihn, dass er nun von „einer Last schwerer Übel, wie sie gegenwärtig in Fülle vorhanden sind“ nun befreit sei. Es ist zu vermuten, dass er in an der Pest erkrankt war und auch daran verstorben ist.

Tübingen, den 15. Januar 2019
Brigitte Szydlak

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