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Montag 19 Februar 2018

Der Aufruf dieser Seite zeigt, dass Sie den ersten Schritt für den Einstieg in die Familienforschung schon getan haben. Vielleicht haben Sie auch schon ein paar genealogische Unterlagen, beispielsweise ein Familienstammbuch ihrer Eltern oder Großeltern, einen Ariernachweis des Urgroßvaters oder Forschungen eines verstorbenen Onkels. Falls übrigens unbekannte Begriffe auftauchen, können diese im GenWiki nachgeschlagen werden.

Sie wollen nun - von den vorhandenen Unterlagen ausgehend - weiterforschen, die Generationen zurück in die Vergangenheit, oder auch andere Nachkommen Ihrer Vorfahren finden. Zunächst ist zu überlegen, wo nach Geburten, Hochzeiten, Todesfällen oder ähnlichen Ereignissen im Leben Ihrer Vorfahren gesucht werden soll. Dazu muss der richtige (oder vermutete) Ort für das gesuchte Ereignis gewählt werden, und dann die passende Quelle für diesen Ort, beispielsweise das für den (vermuteten) Zeitpunkt des Ereignisses richtige Kirchenbuch.

Schrift und Schreibweisen

Bevor darauf eingegangen wird, wie Sie den richtigen Ort und die passenden Quelle finden können, taucht gerade für den Einsteiger eine Hürde auf: die (originalen) Quellen sind handschriftlich verfasst, und zudem in lateinischer Sprache (katholische Kirchenbücher) oder in deutscher Schrift (evangelische Kirchenbücher und weltliche Quellen), beispielsweise in der deutschen Kurrentschrift. Da einige deutsche Buchstaben sich deutlich von dem lateinischen Pendant unterscheiden und im Laufe der Jahrhunderte variieren, oft ungewohnte Abkürzungen verwendet werden und die Handschrift des jeweiligen Schreibers auch noch individuell ist, stellt das Entziffern der Originaleinträge gerade für den Einsteiger eine Herausforderung dar. Wer sich diese Schrift autodidaktisch beibringen möchte, lernt am besten durch Vergleich von Originaleinträgen mit zugehörigen "Übersetzungen" (Transkriptionen) in Maschinenschrift oder in "leserlicher" Handschrift, oder allgemein durch Vergleich mit Sekundärquellen.

Wer (noch) nicht die Originalquellen lesen möchte oder kann, mag geneigt sein, Daten aus dem Internet zu übernehmen. Doch hier ist eine WARNUNG auszusprechen: Aufgrund von Lesefehlern und falschen Zuordnungen schwirren im Internet viele mangelhafte Datenbanken und Datensammlungen umher. Für den Ungeübten sind diese teilweise gravierenden und nicht korrigierbaren Fehler nur schwer zu erkennen, können aber sehr folgenreich sein: Gerade beim Einstieg kann ein falscher Vorfahr die ganze darauf aufbauende Forschung unbrauchbar machen. Diese Daten sind allenfalls als Hinweis zu verwenden, in welchem Ort und zu welchem Zeitpunkt Sie suchen könnten.
Es gibt jedoch auch Sekundärquellen, die deutlich näher an den Originalquellen (Primärquellen) sind, insbesondere Kirchenbuchabschriften oder andere Quelleneditionen sowie Verkartungen oder Ortssippenbücher, in denen alle Daten aus den Kirchenbüchern eines Ortes nach Familien geordnet zusammengestellt sind. Solche Werke haben wir in unserer Vereinsbibliothek, und sie eignen sich auch zum autodidaktischen Beibringen der Schrift.

Die Orthographie der Namen ist erst am Ende des 19. Jhd. festgelegt worden. Vorher haben sich Namen durch Vokalaustausche (beispielsweise ä-e, e-ö i-ü, i-y), Einfügungen von Dehnungszeichen (h, e), Konsonantenverdoppelungen, Austausch von harten und weichen Konsonanten (p-b, t-d, k-g) und weitere Varianten im Laufe eines Lebens einer Personen oder über mehrere Generationen hinweg teilweise deutlich geändert. Manchmal ist eine Auswanderung in ein Gebiet mit anderem Dialekt oder anderer Sprache die Ursache. Und manchmal will der Pfarrer sich einer vornehmen Ausdrucksweise befleißigen. Es gibt auch Fälle, in denen alle Änderung wieder rückgängig gemacht worden sind, und die heutige Schreibweise derjenigen in der ersten urkundlichen Nennung entspricht. Hinzu kommt noch hinzu, dass bei Vornamen lateinische Formen, deutsche Langformen und deutsche Kurzformen ausgetauscht werden (beispielsweise Balthasarius-Balthasar-Balthas) oder Studierende ihren Familiennamen latinisieren (beispielsweise Schmied-Faber, Schwarzerd-Melanchton).

Die drei "Zeiten"

Je nachdem, welche Unterlagen Sie haben, müssen Sie in unterschiedlichen "Zeiten" einsteigen und in entsprechend unterschiedlicher Weise vorgehen. In den vergangenen Jahrhunderten wurde die Lebensdaten von Personen (Personenstandsdaten) nämlichen nach unterschiedliche Regelungen erfasst. Im Mittelalter gab es keine systematische Aufzeichnungen solcher Daten. Im Zuge der Reformation kamen im 16. Jahrhundert die Kirchenbücher auf, in den Taufen, Eheschließungen und Bestattungen verzeichnet wurde. Und schließlich wurden im 19. Jahrhundert Standesämter für die Führung von amtlichen Personenstandsregistern errichtet (Baden 1870, Hohenzollern 1874 und Württemberg 1876). Entsprechend gibt es für die Familienforschung drei "Zeiten", wie sie auch im Rechercheführer beim Landesarchiv Baden-Württemberg unterschieden werden:

  1. Die Zeit ab der Zuständigkeit der Standesämter:
    Für den Einstieg sind die ersten Generationen (Eltern, Großeltern, Urgroßeltern) notwendig, und deren Daten sind - sofern nicht schon vorhanden - bei den kommunalen Standesämtern zu erfragen. Aus Datenschutzgründen erhalten auch nur Sie als direkter Nachkomme die Daten Ihrer nächsten Vorfahren. Die Sperrfristen sind nicht ganz einheitlich, aber oft an das Bundesarchivgesetz angelehnt, welches grundsätzlich 30 Jahre (§ 11 (1) BArchG), jedoch mindestens 10 Jahre nach dem Tod oder bei unbekanntem Todesjahr 100 Jahre nach der Geburt vorsieht (§ 11 (2) BArchG). Die Einträge in den Personenstandsregistern sind so weit untereinander verknüpft, dass Sie erkennen können, in welchem Ort der Folgeeintrag zu suchen ist.
     
  2. Die Zeit der Kirchenbücher:
    Für die Zeit vor den Standesämtern waren die Pfarrer vor Ort für die Personenstandsdaten zuständig, und zwar nicht nur für die Stadt oder das Pfarrdorf, sondern auch für die umliegenden Filialen (Dörfer ohne Kirche, Weiler und Höfe). Je nach Amtsführung und Brand- oder Kriegsverlusten beginnen die Kirchenbücher unterschiedlich, manche im 16. Jahrhundert, manche nach dem 30-jährigen Krieg, einige nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg und wieder andere noch später. Beim Landeskirchliche Archiv ist die Geschichte der württembergischen Kirchenbücher nachzulesen. Kirchenbuchverzeichnisse geben die Zuständigkeiten und Laufzeiten an. Die Kirchenbücher sind mittlerweile - aus konservatorischen Gründen - zentral einzusehen. Wenn Sie erstmalig in Kirchenbüchern forschen wollen, helfen die Archive oder unser Verein.
     
  3. Die Zeit vor den Kirchenbüchern:
    In Ausnahmefällen können einzelne Familien weiter zurück verfolgt werden als die Kirchenbücher reichen, wenn Familienangehörige in alten (Finanz-)Dokumenten auftauchen, beispielsweise in Lagerbüchern mit den Abgaben einzelner Grundstücke, Leibeigenenbüchern, Steuerlisten, Musterungslisten oder (Erb-)Teilungen und Inventuren. Sofern sich diese Dokumente erhalten haben, befinden sich die Teilungen und Inventuren in der Regel in den Kommunalarchiven, alle anderen meistens in den regional zuständigen Abteilungen im Landesarchiv Baden-Württemberg. Die Forschung in dieser Zeit ist allerdings nicht für Einsteiger geeignet, sondern für eine spätere Phase der Forschung.

Hilfe durch den Verein

Für eine grundsätzliche Beratung bietet es sich an, unsere Vereinsbibliothek während der Öffnungszeiten zu besuchen, oder sich direkt an unsere regionalen Arbeitskreise zu wenden. Der Online-Katalog gibt Auskunft, ob in der Vereinsbibliothek bereits Material zu dem Ort oder der gesuchten Familie vorhanden ist. Falls ein Besuch nicht möglich ist, können einzelne Anfragen auch per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch bei der Geschäftsstelle erfolgen.

Wenn Ihre Forschung fortschreitet, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein weiteres Vereinsmitglied im gleichen Ort oder bei der gleichen Familie forscht. Unser Verein bietet hierzu die regelmäßigen Veranstaltungen und die Mailingliste an. Bestehende Forschungen finden sich auch in den Artikeln unserer Vereinszeitschrift "Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde", in den Stammlisten in der Vereinsbibliothek bzw. auf diesen Seiten oder in den Nachlässe im Vereinsarchiv.