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Die genealogische Arbeit im südbadischen Raum unter besonderer Berücksichtigung der Badischen Ortssippenbücher

Von Rolf Eilers, aus: Siebenbürgische Familienforschung, Köln - Wien 1986, 3. Jahrg., Nr. 2, S. 49ff.

Der Familienforscher im südbadischen Raum findet eine besondere Stütze im "Freiburger genealogischen Arbeitskreis". Dieser Arbeitskreis wurde Ende 1965 vom Bundesbahndirektor i. R. Dr. Hans Bartsch gegründet, der sich besonders um die Familienforschung unter den Siebenbürger Sachsen und Donauschwaben verdient gemacht hat. Dr. Bartsch gab die Leitung des Arbeitskreises erst vor fünf Jahren (Anm.: Stand 1986) im Alter von 80 Jahren an seinen Nachfolger MedDir. i. R. Dr. Bruno Geinitz ab. Unser Arbeitskreis trifft sich regelmäßig zu Vorträgen; anschließend besteht die Möglichkeit zum Forschungsaustausch. Die Familienforscher setzen sich aus allen Altersgruppen von Studenten über Hausfrauen bis zu Senioren zusammen. Der Einzugsbereich der Interessenten reicht von Lahr bis Lörrach. Vor allem haben Neulinge den Vorteil, durch den genealogischen Arbeitskreis viele praktische Anregungen und Forschungshinweise von erfahrenen Genealogen zu erhalten.

Darüber hinaus bestehen in Südbaden viele landeskundliche Vereine, die in ihren lokalen Zeitschriften und Vorträgen auch die Familienforschung berücksichtigen, soweit ein fester Bezug zur Ortsgeschichte hergestellt werden kann. Stellvertretend für alle Vereine möchte ich den "Breisgau-Geschichtsverein" in Freiburg mit seinen Jahresheften "Schau-ins-Land" anführen.

Von 1957 bis 1975 kamen die südbadischen Genealogen sogar in den Genuß einer eigenen Zeitschrift, der "Badischen Familienkunde". Sie wurde nicht von einem Verein, sondern von Albert Köbele in Grafenhausen bei Lahr in Eigenregie mit jährlich drei Heften herausgebracht. In dieser Zeitschrift konnten viele Stammtafeln und Ahnentafeln in großzügiger Weise veröffentlicht werden. Leider hatte die Zeitschrift nur 100 Abonnenten. Als das Regierungspräsidium Südbaden 1975 im Zuge von Sparmaßnahmen die öffentlichen Zuschüsse einstellte, mußte Albert Köbele leider auf die Herausgabe der "Badischen Familienkunde" verzichten.

Seitdem sind wir auf die "Südwestdeutschen Blätter für Familien- und Wappenkunde" angewiesen, die vom Verein für Familien- und Wappenkunde in Württemberg und Baden in Stuttgart herausgegeben werden. Diese Vierteljahreshefte kommen in Darstellungsweise und Umfang den Mitteilungen der "Siebenbürgischen Familienforschung" sehr nahe und können daher leider nur kurze genealogische Artikel aufnehmen. Wer umfangreiche Familiengeschichten oder Ahnentafeln veröffentlichen will, muß folglich auf die überregionalen Zeitschriften "Archiv für Sippenforschung" oder "Genealogie" ausweichen.

Der Vater der Badischen Ortssippenbücher ist Albert Köbele. Von 1936 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges arbeitete er beim Reichsnährstand in Berlin und Karlsruhe an der Herausgabe der ersten Ortssippenbücher mit. So konnten in Baden damals schon vier Ortssippenbücher erscheinen. Im Jahre 1950 gründete Albert Köbele einen eigenen Verlag und brachte bis zu seinem Tode Ende 1982 47 Ortssippenbücher mit der Darstellung sämtlicher Kleinfamilien heraus, die durch Verkartung der Kirchenbücher sowie der Standesamtsregister ab 1870 und der Einwohnermeldekarteien erfaßt worden sind. Während die ersten Verkartungen von Albert Köbele noch selbst vorgenommen wurden, konnte er ab 1956 zahlreiche Mitarbeiter, vor allem Senioren, die für diese umfangreiche Arbeit Zeit hatten, gewinnen. Teilweise ist in den Ortssippenbüchern auch die Ortsgeschichte enthalten. Die Vorfinanzierung des Druckes erfolgte stets durch die weltliche Gemeinde, die durch den Verkauf der Bücher praktisch nur einen Zuschuß von 50% leisten mußte. Allerdings mußten die Bearbeiter der Ortssippenbücher sich stets mit einem Taschengeld bzw. einer Aufwandsentschädigung zufrieden geben.

Diese 47 (Anm.: Stand 1986, seither sind zahlreiche weitere erschienen) Ortssippenbücher mit der Familiengeschichte von 53 Gemeinden verteilen sich auf Baden regional folgendermaßen: fünf Ortssippenbücher erschienen im Kraichgau, im Ortenaukreis, der Heimat von Albert Köbele, kamen stolze 19 Bände heraus, im Kreis Emmendingen waren es fünf Bände und im Markgräflerland 13 Bände.

Glücklicherweise hat das Lebenswerk von Albert Köbele in Klaus Siefert in Lahr einen tüchtigen Nachfolger gefunden. Allerdings kann er sich dieser Aufgabe nur im Nebenberuf widmen. Er hat 1983 eine "Interessengemeinschaft Badischer Ortssippenbücher" gegründet. Auf diese Weise ist es ihm mit Hilfe von Mitarbeitern gelungen, bereits fünf (Anm.: Stand 1986) neue Ortssippenbücher herauszugeben.

Wir sind sehr froh, daß diese Arbeit weitergeführt wird, obwohl wir unter den von Bund und Land erlassenen Datenschutzgesetzen als Genealogen sehr zu leiden haben. Denn in letzter Zeit sträuben sich immer mehr Bürgermeister und Gemeinderäte aus Angst gegen die Herausgabe von Ortssippenbüchern; Probleme ergeben sich auch infolge der Eingemeindung zahlreicher Orte, weil ihnen jetzt die finanzielle Grundlage fehlt. Aus diesen Gründen wird es in Zukunft in vielen Fällen nicht mehr möglich sein, in den Ortssippenbüchern die lebende Bevölkerung zu erfassen, sondern man wird sich verstärkt auf die Zeit vor Beginn der Personenstandsregister bis zum Jahre 1870 beschränken müssen. Dies hat den Nachteil, daß die lebende Bevölkerung in der Regel keine Ortssippenbücher kaufen wird, wenn ihre eigenen Personalien darin fehlen, so daß die Bände nur noch für Genealogen und geschichtlich interessierte Einwohner in Frage kommen.

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