Am Mittwoch, den 10. April 2019 besuchte der Tübinger genealogische Arbeitskreis das Residenzschloss in Urach, den Geburts-und Hochzeitsort von Graf Eberhard im Bart (1445-1496).

Das Schloss birgt eine Vielzahl von Abbildungen der Palme. Sie schmückt nicht nur die Toreinfahrt des Schlosses, auch dekorieren wandhohe Palmenbäume den Palmensaals im Inneren. Oftmals wurden diese Palmbäume, mit einem reichlich wuchernden Wurzelwerk und ausladenden Palmwedeln mit Graf Eberhards Wahlspruch „Attempto“ versehen. Dieser Wahlspruch deutet auf seine spätere Universitätsgründung im Jahr 1477 hin und er bringt den gräflichen Gründungswillen mit der Attempto-Devise „ ich unternehme es, ich strebe es an“, sehr deutlich zum Vorschein.

Frau Gamer-Wallert, die die Tübinger Gruppe an diesem Tag leitete, erläuterte in eindrücklicher Weise, die Herkunft dieser Palme. Als frühester gesicherter Beleg gilt das Jahr 1474, als die Palme zum ersten Mal bildlich auftaucht und seither die Toreinfahrt von Schloss Urach ziert. Zudem gilt 1474 als ein wichtiges Jahr im Leben des württembergischen Grafen, das Jahr seiner Eheschließung mit der oberitalienischen Markgräfin Barbara Gonzaga aus Mantua. Dafür wurde der Palmensaal im Inneren des Schlosses renoviert, wobei an beiden Saalwänden je vier Palmen die Wände schmücken, in die die Wappen der gräflich-württembergischen Vorfahren deutlich sichtbar angebracht sind. Diese fürstliche Ahnenprobe gilt als eine der ältesten in der Region.

Mit der Universitätsgründung ab 1477 trifft man verstärkt auf das Bild der Palme, so auch im Chor der spätgotischen Tübinger Stiftskirche, wo in einem bunten Glasfenster Graf Eberhard kniend unter zwei größeren Palmen dargestellt wird. Gleichfalls gilt das auch für das „Contubernium academicum“, der Alten Burse, das in diesen Anfangszeiten der Universität den niederen Fakultäten als Unterrichts-und Wohnraum zur Verfügung gestanden hat. Dort findet man die Palme eingeschnitzt auf zwei Holzsäulen gleich in der Eingangshalle.

Frau Gamer-Wallert ging nun der Frage nach wo und wann Graf Eberhard den Palmenbaum zu seinem persönlichen Zeichen erhob. Eine 1468 unternommene Pilgerfahrt nach Jerusalem habe ihm den Palmbaum wie auch die Wortdevise „Attempto“ als ein Zeichen seiner inneren Umkehr nahegebracht, so lautete die gängige Meinung, so konnte man es überall nachlesen. Gegen eine Erwählung des Zeichens im Zusammenhang mit der Pilgerfahrt spricht vor allem, dass auf dem berühmten 1472 entstandenen Betstuhl in der Uracher Amanduskirche zwar das „Attempto“ erscheint, aber die Palme im Schnitzwerk nicht zu finden ist.

So führt die Wahl der Palme in die Heimatstadt seiner Braut Barbara Gonzaga, in die lange Zeit seiner Brautwerbung und Eheverhandlungen. Dort erlebte gerade die Renaissance einen Höhepunkt in Literatur und Kunst. Bildsymbole der Antike spielten eine große Rolle. Im Kontakt mit dieser Bilderflut und mit deren Auseinandersetzung muss er der Palme begegnet sein.

Auch spielte das Anfertigen von sogenannten „Impresen“ in italienischen Adelskreisen dieser Zeit eine große Rolle. Zusätzlich zum ererbten Wappen erschuf man diese Impresen, diese Bilder, wobei die Palme allegorisch für Beständigkeit, Schatten- und Lebensspender als Motiv oft Verwendung fand.

Dieses bemerkenswerte Symbol, das die Universität Tübingen seit ihres 500-jährigen Bestehens 1977, als alleiniges „Logo“ führt, wird Graf Eberhard im Bart aus dem Italien der Renaissance im Handgepäck über die Alpen ins schwäbische Urach mitgebracht haben und ihm bei der Neugründung der Alma Mater Tubingensis Antrieb und Ansporn gewesen sein.

Brigitte Szydlak, Tübingen, den 1. Mai 2019

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