Von Römern, Reformatoren und Rebellen

Sonnenschein und angenehme Temperaturen erwarteten die Teilnehmer bei ihrer Ankunft zum Jahresausflug am 18. Mai 2019 in der ehemaligen Freien Reichsstadt Aalen. Nach Begrüßung und einem „Zweiten Frühstück“ im geschichtsträchtigen Gasthaus „Roter Ochsen“ startete ein Stadtrundgang unter dem Thema „Aalens Gassen - Aalens Dächer“ unter der Führung von Kurt Seifert. 

Dass sich die Geschichte von Aalen fast zwei Jahrtausende zurückverfolgen lässt wurde aus den Ausführungen jedem klar. Die Römer verlegten ihr über 1000 Reiter umfassendes Heer aus dem Heidenheimer Raum nach Norden bis Aalen zur Grenzsicherung des Limes. Die damalige Zeit wird im neu renovierten UNESCO Welterbe „Limesmuseum“ anschaulich erlebbar gemacht, auch die Kastell-Anlagen sind heute noch erkennbar. Die damit verbundene Infrastruktur bildete mit dem Ausbau von Handels- und Verkehrsverbindungen so die Grundlagen für die Entstehung der heutigen Stadt Aalen. Ihre Bedeutung erlangte sie aber erst tausend Jahre nach dem Rückzug der Römer mit der Erhebung anno 1360 als Freie Reichsstadt. In diese Reichsstädter Zeit fallen auch die zahlreichen Sehenswürdigkeiten in den kleinen Gässchen der Altstadt, durch die Stadtführer Seifert führte. So zum Beispiel das „Goldene Lamm“, eine der ältesten und im Fachwerkbau erhaltene Gastwirtschaft, die auch den verheerenden Stadtbrand von 1634 unversehrt überstanden hat. Auch die Stadtkirche wurde besichtigt, in der der wohlbekannte Tübinger Theologe Jakob Andreä 1575 in Aalen die Reformation einführte, und deren Turm 1765 einstürzte und dabei zwei Kindern des Türmers mit in den Tod gerissen hat. Das Haus, in dem Christian Friedrich Daniel Schubart seine Jugendzeit in Aalen verbrachte, durfte bei dem Rundgang keinenfalls fehlen. Als Dichter, Komponist und Musiker wurde er bekannt, später musste er sich als kritischer und rebellischer Schriftsteller außer Landes aufhalten, wurde aber ins württembergische Blaubeuren gelockt, verhaftet und für zehn Jahre in Hohenasperg inhaftiert. Der Spion von Aalen am Turm des alten Rathauses, der seine Stadt vor schlimmerem bewahrte und die Unterkunft Napoleons während seines Durchzuges waren dem Stadtführer einige Anekdoten wert. Einen schönen Abschluss bildete der Besuch auf dem Rathausdach. Dort hatte man einen herrlichen Ausblick in die nähere Umgebung: Den Rand der Schwäbischen Alb im Osten, das Kochertal im Süden, der Rosenstein im Westen und bis nach Wasseralfingen im Norden. Die Altstadt mit ihren Dächern der Kernstadt war leicht zu erkennen und die zuvor besuchten Sehenswürdigkeiten leicht auszumachen.

Über den ausgedehnten Markt mit üppigen Angebot an Obst, Gemüse ging es zurück zum Roten Ochsen, wo das Mittagessen eingenommen wurde. Anschließend berichtete Hans Maurer aus der Geschichte der Ostalbgruppe. Gegründet 1974 von Dr. Paul Edel bei einem Treffen der Harsch-Sippe in Abtsgmünd bildete sich in Räumen der Grünbaumbrauerei ihre erste Unterkunft. Viele Aktivitäten und Veröffentlichungen interessierter Genealogen ließen die Gruppe und ihr Archiv zu einem Genealogenzentrum der Ostalb anwachsen. Die vielfältigen Unterlagen bieten auch heute noch die Grundlage für umfangreiche Forschungen. So wurde beispielhaft die Familie Simon herausgegriffen, die 200 Jahre die Grünbaumbrauerei inne hatte, und deren Nachkommen heute noch in den Vereinigten Staaten anzutreffen sind. Auch der aus Thüringen stammenden Obersteiger Johann Conrad Jungk war ein Angelpunkt des Vortrages. Denn seine Nachkommen waren zumeist als Obersteiger in süddeutschen Erzbergwerken als Leiter tätig und verwandtschaftlich mit dem Vortragenden verbunden.

Anschießend führte Kirchenmusikdirektor Thomas Haller die Teilnehmer des Jahresausfluges ein in die Geschichte der Sankt Johann Kirche auf dem gleichnamigen Friedhof, der sich schon zu Beginn der Reichsstadtzeiten außerhalb der Stadtmauern befand. Bedeutung und Ausrichtung dieser ältesten Kirche Aalens wurde beleuchtet, die ganz nahe am Osttor des ehemaligen Römerkastells liegt und deren Grundmauern teils aus Quadern der Mauern des Kastells errichtet wurden. Epitaphien und Gedenksteine schmücken sowohl das Innere als auch das Äußere des Kirchleins und erinnern so an viele alteingesessene Familien Aalens. Die heutige Größe erreichte die Kirche erst nach mindestens drei baulichen Erweiterungen aus einer etwa 10 mal 10 Meter kleinen Kapelle, so zeigten es die vor einigen Jahrzehnten durchgeführten Renovierungen. Bei diesen letzten Renovierungsarbeiten kamen auch Wandgemälde zum Vorschein, deren Entstehung auf das 12. Jahrhundert datiert wurde. Bei der Inneneinrichtung der Kirche ist insbesondere die große Orgel hervorzuheben, die 1802 vom Posamentierer und Senator Christian Friedrich Fürgang gestiftet wurde und so die letzte beträchtliche bauliche Erweiterung notwendig machte. Gebaut wurde die Orgel von Joseph Allgeyer, dessen Familie im nahe gelegenen Hofen und Wasseralfingen beheimatet war und über fünf Generationen hinweg Orgelbauer waren. Und wie könnte es anders sein: Nachdem zwei „Gehilfen“ gefunden wurden, den Blasebalg in Aktion zu setzen, konnte Thomas Haller die Orgel nach alter Art und Weise spielen, den Kirchenraum mit holden Tönen ausfüllen und die Gruppe so auf eine schöne Weise verabschieden.

Den Abschluss des Programms bildete ein Besuch im nahegelegenen Archiv der Ostalbgruppe. Hier konnten sich alle ein reales Bild machen von den Räumlichkeiten und den vielfältigen Forschungsmaterialien.

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Teilnehmer am Eingang der Stadtkirche „Sankt Nikolaus“ in Aalen. Foto: Ulrich Binder.

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