Sie haben Interesse an Familienforschung – den ersten Schritt haben Sie schon getan: Sie haben unsere Seite mit den Hinweisen für Einsteiger aufgerufen. Vielleicht haben Sie auch schon ein paar genealogische Unterlagen, beispielsweise ein Familienstammbuch Ihrer Eltern oder Großeltern, einen Ariernachweis des Urgroßvaters oder Forschungen eines verstorbenen Onkels. Falls übrigens unbekannte Begriffe auftauchen, können Sie diese im GenWiki nachgeschlagen.

Sie wollen nun - von den vorhandenen Unterlagen ausgehend - weiterforschen, weiter Generationen aus der Vergangenheit oder auch andere Nachkommen Ihrer Vorfahren finden. Zunächst ist zu überlegen, wo nach Geburten, Hochzeiten, Todesfällen oder ähnlichen Ereignissen im Leben Ihrer Vorfahren gesucht werden soll. Dazu muss der richtige oder vermutete Ort und der ungefähre Zeitpunkt des Ereignisses bekannt sein und anschließend die passende Quelle für diesen Ort ausgewählt werden. Diese passende Quelle wird in der Regel ein Kirchenbuch oder ein anderes Personenstandsregister sein.

Schrift und Schreibweisen

Bevor wie darauf eingehen, wie Sie den richtigen Ort und die passenden Quelle finden können, taucht gerade für Einsteiger eine Hürde auf: die (originalen) Quellen sind handschriftlich und zudem in lateinischer Sprache (katholische Kirchenbücher) oder in deutscher Schrift (evangelische Kirchenbücher und weltliche Quellen), beispielsweise in der deutschen Kurrentschrift verfasst. Da einige deutsche Buchstaben sich deutlich von dem lateinischen Pendant unterscheiden und im Laufe der Jahrhunderte variieren, oft ungewohnte Abkürzungen verwendet werden und die Handschrift des jeweiligen Schreibers auch noch individuell ist, stellt das Entziffern der Originaleinträge gerade für Einsteiger eine Herausforderung dar. Wer sich diese Schrift autodidaktisch beibringen möchte, kann die Originaleinträge mit den zugehörigen „Übersetzungen“ (Transkriptionen) in Maschinenschrift oder in „leserlicher“ Handschrift oder mit anderen Sekundärquellen vergleichen.

Wer (noch) nicht die Originalquellen lesen möchte oder kann, mag geneigt sein, Daten aus dem Internet zu übernehmen. Doch hiervor ist zu warnen: Aufgrund von Lesefehlern und falschen Zuordnungen schwirren im Internet viele fehlerhafte Datenbanken und Datensammlungen umher. Für den Ungeübten sind diese teilweise gravierenden und nicht korrigierbaren Fehler nur schwer zu erkennen und können sehr folgenreich sein: Gerade beim Einstieg kann ein falsch ermittelter Vorfahre die ganze darauf aufbauende Forschung unbrauchbar machen. Die Daten im Internet sollten daher allenfalls als Hinweise zum Suchen verwendet werden.

Es gibt auch Sekundärquellen, die nah an den Originalquellen (Primärquellen) sind. Hierzu gehören insbesondere Kirchenbuchabschriften oder andere Quelleneditionen sowie Verkartungen oder Ortssippenbücher, in denen alle Daten aus den Kirchenbüchern eines Ortes nach Familien geordnet zusammengestellt sind. Solche Werke, die sich auch zum autodidaktischen Lernen der Schrift eignen, finden Sie in unserer Vereinsbibliothek.

Die Orthographie der Namen wurde erst am Ende des 19. Jhd. festgelegt. Vorher haben sich Namen durch Vokalaustausche (beispielsweise ä-e, e-ö i-ü, i-y), Einfügungen von Dehnungszeichen (h, e), Konsonantenverdoppelungen, Austausch von harten und weichen Konsonanten (p-b, t-d, k-g) und weitere Varianten im Laufe des Lebens einzelner Personen oder über mehrere Generationen hinweg teilweise deutlich geändert. Manchmal ist der Umzug ein Gebiet mit anderem Dialekt oder anderer Sprache die Ursache. Und manchmal erfindet der Pfarrer eine neue Schreibweise. Es gibt auch Fälle, in denen alle Änderung wieder rückgängig gemacht worden sind, und die heutige Schreibweise derjenigen in der ersten urkundlichen Nennung entspricht. Hinzu kommt, dass bei Vornamen lateinische Formen, deutsche Langformen und deutsche Kurzformen ausgetauscht werden (beispielsweise Balthasarius-Balthasar-Balthas) oder Studierende ihren Familiennamen latinisieren (beispielsweise Schmied-Faber, Schwarzerd-Melanchton).

Die drei „Zeiten“

Je nachdem, welche Unterlagen Sie haben, müssen Sie in unterschiedlichen "Zeiten" einsteigen und in entsprechend unterschiedlicher Weise vorgehen. In den vergangenen Jahrhunderten wurden die Lebensdaten von Personen (Personenstandsdaten) nämlich nach unterschiedliche Regelungen erfasst. Im Mittelalter gab es keine systematische Aufzeichnungen von Personenstandsdaten. Im Zuge der Reformation kamen dann im 16. Jahrhundert die Kirchenbücher auf, in welchen Taufen, Eheschließungen und Bestattungen verzeichnet wurden. Und schließlich wurden im 19. Jahrhundert Standesämter für die Führung amtlicher Personenstandsregister errichtet (Baden 1870, Hohenzollern 1874 und Württemberg 1876). Entsprechend gibt es für Familienforschung drei „Zeiten“, wie sie auch im Rechercheführer beim Landesarchiv Baden-Württemberg unterschieden werden:

  1. Die Zeit ab der Zuständigkeit der Standesämter:
    Für den Einstieg sind Kenntnisse über die ersten Generationen (Eltern, Großeltern, Urgroßeltern) notwendig, und deren Daten sind - sofern nicht schon vorhanden - bei den kommunalen Standesämtern zu erfragen. Aus Datenschutzgründen erhalten auch nur Sie als direkter Nachkomme Auskunft über die Daten Ihrer nächsten Vorfahren. Mit dem Gesetz zur Reform des Personenstandsrechts vom 19. Februar 2007 gelten seit dem 1. Januar 2009 für die Fortführung der Personenstandsregister folgende Fristen:
    • Geburtenregister 110 Jahre
    • Ehe- und Lebenspartnerschaftsregister 80 Jahre
    • Sterberegister 30 Jahre
    Während dieser Fristen verbleiben die Unterlagen beim jeweiligen Standesamt. Auskünfte werden von den zuständigen Sachgebieten des Standesamtes auf der Grundlage der dortigen Gebührenregelungen erteilt. Nach Ablauf dieser Fristen erfolgt die Übergabe der Unterlagen an das zuständige kommunale Archiv. Die Einträge in den Personenstandsregistern sind so weit miteinander verknüpft, dass Sie erkennen können, in welchem Ort der Folgeeintrag zu suchen ist.
     
  2. Die Zeit der Kirchenbücher:
    Für die Zeit vor den Standesämtern waren die Pfarrer vor Ort für die Eintragung der Personenstandsdaten zuständig, und zwar nicht nur für die Stadt oder das Pfarrdorf, sondern auch für die umliegenden Filialen (Dörfer ohne Kirche, Weiler und Höfe). Je nach Amtsführung und aufgrund von Brand- oder Kriegsverlusten beginnen die Kirchenbücher unterschiedlich, manche im 16. Jahrhundert, manche nach dem 30-jährigen Krieg, einige nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg und wieder andere noch später. Beim Landeskirchliche Archiv ist die Geschichte der württembergischen Kirchenbücher nachzulesen. Kirchenbuchverzeichnisse geben die Zuständigkeiten der Pfarreien und die Laufzeiten der Kirchenbücher an. Die Kirchenbücher sind mittlerweile - aus konservatorischen Gründen - zentral einzusehen. Wenn Sie erstmalig in Kirchenbüchern forschen wollen, helfen die Archive oder wir als Verein.
     
  3. Die Zeit vor den Kirchenbüchern:
    In Ausnahmefällen können einzelne Familien weiter zurückverfolgt werden als die Kirchenbücher reichen, beispielsweise wenn Familienangehörige in alten Dokumenten der Finanzverwaltung oder des Militärs genannt werden. Sofern solche Dokumente erhalten sind, befinden sie sich meistens in den regional zuständigen Abteilungen im Landesarchiv Baden-Württemberg, manche auch in Kommunalarchiven. Die Forschung in dieser Zeit ist allerdings nicht für Einsteiger geeignet, sondern einer fortgeschritteneren Phase der Forschung vorbehalten.

Einarbeitung von Quellen

Gerade am Anfang wird Ihr eigener Stammbaum schnell wachsen. Um so wichtiger ist es, zu dokumentieren, woher Sie denn die Angaben haben.
Die eigene Quellensammlung ist dabei das A und O Ihrer Forschung.

Genaues Erfassen Ihrer Quellen

Achten Sie darauf, die jeweilige Quelle genau zu erfassen.

Bücher: Neben den Angaben zum Verfasser, Titel, Auflage, Verlag/Erscheinungsort und Jahr sollten Sie sich auch notieren, wo Sie das Buch eingesehen haben (z.B. die Signatur der Vereinsbibliothek). Dies hilft Ihnen, später das Buch auch schnell wiederzufinden, wenn Sie noch einmal nachschlagen wollen.

Internet: Neben der Zitierung des Links sollten Sie immer auch angeben, wann Sie diese Informationen eingesehen haben, z.B. 'abgerufen am 12.02.2002'. Denn es ist nicht sicher, dass dieser Link 15 Jahre später noch funktionieren wird. Und spätestens an dieser Stelle bewährt sich ein Ausdruck (ggf. in eine Datei), wenn man die eigene Quelle später noch mal einsehen möchte.

Kopien: Denken Sie daran, nicht nur die entsprechende Stelle zu kopieren, sondern immer auch das Titelblatt und die Seite mit den bibliographischen Angaben. Dies hilft Ihnen später die Stelle im Original wiederzufinden.

Quellen zitieren – aber richtig, in: Computergenealogie, Sonderdruck 2018, S. 10 http://compgen.de/userfiles/downloads/cg_Sonderdruck_ePaper.pdf

Ihre Quellensammlung:

Fax: Achten Sie darauf, dass Ihre Quellen auch später noch lesbar sind. Sollten sich tatsächlich unter Ihren Quellen noch Faxe auf Thermopapier befinden, sollten Sie die schnellstens auf normales Papier kopieren, bevor das Thermopapier so ausbleicht, dass Sie nichts mehr lesen können.

E-Mails: Drucken Sie sich wichtige E-Mails aus, denn es ist nicht sicher, dass Sie in zwanzig Jahren noch über die gleiche E-Mail-Adresse verfügen werden, und dass Ihr Provider unbegrenzt Speicherkapazität zur Verfügung stellt.

Elektronische Dateien: Ausdrucken statt elektronisch archivieren? Natürlich ist es einfacher, eine E-Mail statt auf Papier als PDF elektronisch zu archivieren. Da gibt es dann ein Verzeichnis, in dem sich beispielsweise die Datei 'Q194 Fax von Günther Frey vom 15.10.93.pdf' befindet. Das ist einfach, platzsparend und kann bei Bedarf schnell eingesehen werden. Aber Sie können sich nicht sicher sein, dass Sie nie von einem Datenverlust durch eine defekte Festplatte betroffen werden, oder dass Sicherungen auf CD/DVD wirklich mehr als zehn Jahre lesbar sind. Deshalb sollten Sie wichtige Dateien, insbesondere „Unikate“, auch ausdrucken.

Quellenverzeichnis

Führen Sie ein Quellenverzeichnis. Dann können Sie in Ihrer Forschung einfach auf die Quellennummer Bezug nehmen (Beispiel: "oo lt. Q016 Baiersbronn 12.03.1789 / lt. Q2016-456 12.03.1788").
Viele Genealogie-Programme unterstützen diese Art der Erfassung der Quellen und produzieren auf Knopfdruck ein Quellenverzeichnis, das sich dann später prima als Anhang zu Ihrer Veröffentlichung eignet.

Beispiele:

  • Q20 Dr. Ruth Wein. Baiersbronner Siedler in Kanada, Freudenstädter Heimatblätter, XIV Nr. XX (Dezember 1981)
  • Q2015-679 USC1920, Charles AUL, Census Place: Toledo Ward 10, Lucas, Ohio;Roll: T625_1411, Page: 2A, Enumeration District: 115, Image: 90, ancestry.com
  • Q2017-408 Dipl.-Ing. Helmut Finkbein, Die Finkbeiner aus Baiersbronn (März 1973), Kopie, Standort: Bücherei des Vereins für Familienkunde in Baden-Württemberg Stuttgart [JE Finkbeiner 1]
  • Q2017-845 Veteranen Chronik 1840, Originaltitel: Veteranen-Chronik; einvollständiges Verzeichniß derjenigen Veteranen, welche in Württembergischen Diensten Feldzüge mitgemacht und die Kriegs-Gedenkmünze erhalten haben; aus amtlichen Quellen geschöpft; mit Angabe der Feldzüge von 1798 bis 1815, Cannstatt. G. F. Ruckhäberle'sche Buchdruckerei 1840. Quelle: Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Signatur: Ah 816. Veröffentlicht auf den Seiten des Vereins für Familienkunde in Baden-Württemberg e.V., abgerufen am 15.9.2017

 

Genealogie-Programme

Auf den Seiten des AK-Herrenberg finden Sie eine Übersicht über die von ihm genutzen Genealogie-Programme und eine Liste von Vorträgen zu diesem Thema. Diese Übersicht soll Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen: ob und für welches Programm Sie sich entscheiden, bleibt Ihnen überlassen.

 

Hilfe durch den Verein

Für eine grundsätzliche Beratung bieten wir Ihnen an, unsere Vereinsbibliothek während der Öffnungszeiten zu besuchen, oder sich direkt an unsere regionalen Arbeitskreise zu wenden. Der Online-Katalog gibt Auskunft, ob in der Vereinsbibliothek bereits Material zu den Orten oder den gesuchten Familien vorhanden ist. Falls Sie nicht persönlich zu uns kommen können, nehmen wir einzelne Anfragen auch per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch über unsere Geschäftsstelle an.

Wenn Ihre Forschung fortschreitet, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein weiteres Vereinsmitglied im gleichen Ort oder bei der gleichen Familie forscht. Unser Verein bietet zum Kennenlernen und zum Austausch regelmäßige Veranstaltungen und eine Mailingliste an. Viele Forschungsergebnisse finden sich auch in den Artikeln unserer Vereinszeitschrift "Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde", in den Stammlisten in der Vereinsbibliothek bzw. auf diesen Seiten oder in den Nachlässen im Vereinsarchiv.

 

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