Alfred DehlingerAlfred Dehlinger
1874 - 1957

Prof. Dr. h.c. Alfred Julius Gottfried Dehlinger, Württembergischer Finanzminister 1924 bis 1942,
* Stuttgart 20.5.1874, † Stuttgart (Quelle 2) / Waldleinigen (Quelle 3) 24.7.1959; S.d. August Wilhelm Dehlinger (1829–1882), Staatsschuldenbuchhalter, u.d.  Lisette Margareta Barbara Gerner (1836–1919);
oo I 1900 (Quelle 2) / 12.7.1890 (Quelle 3) Anna Martin (* Stuttgart 18.7.1876, † 1939);
oo II 1941 Adelheid Charlotte Wintterlin (1900–1961).
Mitglied: 1927 bis (1957) ♦ Ehrenmitglied: 1958

 

Alfred Dehlinger wuchs mit sechs Geschwistern in Stuttgart als Sohn eines Staatsschuldenbuchhalters auf. Von 1893 bis 1896 studierte er Kameralwissenschaft in Tübingen. Nach Ablegung der höheren Finanzdienstprüfung bekleidete er verschiedene Positionen in der Finanzverwaltung des Königreichs Württemberg, unter anderem von 1905 bis 1915 als Mitglied des Württembergischen Steuerkollegiums. Im Ersten Weltkrieg diente er von 1915 bis 1916 als Kriegsfreiwilliger. Neben seiner Verwaltungslaufbahn engagierte sich Dehlinger in der Partei- und Kommunalpolitik: Von 1916 bis 1924 gehörte er dem Gemeinderat von Stuttgart an, zunächst für die Konservativen. 1918 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der DNVP.

Nach einer beruflichen Station im Reichsschatzamt wurde er am 3. Juni 1924 zum Finanzminister im Kabinett von Wilhelm Bazille ernannt, das er auch unter dem seit 1928 amtierenden Staatspräsidenten Eugen Bolz fortführte. Zugleich war er damit auch Aufsichtsratsvorsitzender der Württembergischen Notenbank. Nach Auflösung der DNVP durch die Nationalsozialisten 1933 blieb Dehlinger parteilos. Er gehörte allerdings verschiedenen Partei-Organisationen wie dem Nationalsozialistischen Rechtswahrerbund (NSRB), der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) und dem NS-Altherrenbund an. Trotz der fehlenden NSDAP-Mitgliedschaft konnte Alfred Dehlinger auch nach der „Machtergreifung“ das Amt des Finanzministers in den Regierungen Murr und Mergenthaler kontinuierlich bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1942 ausüben. Das Urteil über seine fachliche Politik fällt positiv aus, da er die Finanzen des Landes bis zu seinem Amtsende in der Balance hielt. Im Entnazifizierungsverfahren stufte ihn die Spruchkammer als „minderbelastet“ bzw. „Mitläufer“ ein.

Nach dem Krieg verfasste Dehlinger sein wissenschaftliches Hauptwerk über „Württembergs Staatswesen“. Im Jahr 1954 wurde ihm von der Regierung Baden-Württembergs der Professoren-Titel verliehen.

Dehlinger war seit 1930 Ehrendoktor der Medizin an der Eberhard Karls Universität Tübingen und seit 1954 Professor auf Grund der Verleihung des Titels seitens der Regierung des Landes Baden-Württemberg.

In Stuttgart-Möhringen wurde eine Straße nach ihm benannt.

Text aus: Geschichte der Landesministerien in Baden und Württemberg in der Zeit des Nationalsozialismus

 

Quellen:
(1) Bild HStA Stuttgart, J 300 Nr. 412 aus: Geschichte der Landesministerien in Baden und Württemberg in der Zeit des Nationalsozialismus (siehe unten Quelle 3)
(2) Seite „Alfred Dehlinger“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 8. Februar 2019, 22:06 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Alfred_Dehlinger&oldid=185510353 (Abgerufen: 8. September 2019, 01:02 UTC) - dort † Stuttgart
(3) Text aus: Jutta Braun, Biographie Dehlingers auf dem Online-Portal Geschichte der Landesministerien in Baden und Württemberg in der Zeit des Nationalsozialismus [online] - dort † Waldleinigen.
(4) Ahnentafelkarte AK463 vom 8.2.1927 in Bestand Vereinsarchiv K40/11a.

Verweise:
(a) Steffen Seischab, Rechnung für den Kassenwart : die Entnazifizierung des württembergischen Finanzministers Alfred Dehlinger durch die Spruchkammer Nürtingen (1946 ff.), in: Land um Teck und Neuffen - zwischen Nazis und Kommunisten / Steffen Seischab - (2017), Seite 83-92 [WLB Stuttgart: 68/2957]
(b) Spruchkammerakte Spruchkammer Nürtingen StALB EL 902/17 Bü. 1471

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