Artur JehleWalter Greß
1898 - 1967

Walter Greß, Bibliothekar in der Württembergischen Landesbibliothek (1926 - ca. 1950), Bibliotheksrechnungsrat a.D.,
* Bölgental 10.12.1898, † Stuttgart 10.8.1967; S.d. Georg Greß, Lehrer.
Mitglied (#1566): 1940 bis 1967 ♦ Heraldischer Berater: 1920-1967 ♦ Vereinsbibliothekar: 1946-1963 ♦ Ehrenmitglied: 1963

 

Nachruf

In Bölgental Gem. Gröningen bei Crailsheim wurde Walter Greß am 10. Dezember 1898 als Sohn des Lehrers Georg Greß geboren. Auch seine Laufbahn begann, nachdem er 1917/18 noch am ersten Weltkrieg teilgenommen hatte, wie die des Vaters, als Lehrer. Beliebt bei seinen Schülern verbrachte er mehrere Jahre in Neckarsulm. 
Am 1. Oktober 1926 trat er in den Dienst der württ. Landesbibliothek in Stuttgart, mit der er auch noch über seine Zurruhesetzung hinaus bis zu seinem Tode eng verbunden blieb. Nach dem Ende des zweiten. Weltkrieges, in dem er sich große Verdienste um die Rettung der Bestände der Bibliothek erworben und auch ihre Verwaltung geführt hatte, wurde er als Bibliotheksrechnungsrat in den Ruhestand versetzt.
Seine geschichtlichen, heraldischen und genealogischen Neigungen fanden in den reichen Bücherschätzen der Landesbibliothek einen idealen Nährboden, aus dem seine literarischen Arbeiten erwuchsen: über den schwäbischen Feldhauptmann in Venezuela, Ambrosius Ehinger, über den Feldhauptmann der Weiser, Nikolaus Ledermann, und über den Arzt und Weltreisenden Andreas Ultzheimer, alle in den beiden ersten Bänden der Schwäbischen Lebensbilder veröffentlicht.

In unserem Verein hat sich Walter Greß besonders seines Lieblingsfaches, der Wappenkunde, angenommen. Mit Präsident Scholl gründete er die "Heraldische Beratungsstelle", die im Jahre 1946 den Namen "Deutsche Zentralstelle für Heraldik im Verein für Familien- und Wappenkunde in Württemberg und Baden" annahm (Der große Brockhaus, Bd. 12 S. 330), weil es damals in Deutschland keine ähnliche Einrichtung mehr gab.
Als sich nach einjgen Jahren die Verhältnisse wieder geändert hatten, wurde wieder auf die alte Bezeichnung zurückgegriffen. Wie die Beratungsstelle, die ganz auf die Person von \Valter Greß abgestellt war, weitergeführt werden kann, ist eine noch offene Frage.

Im August 1947 gelang es Walter Greß, für die Restbestände unserer am 7./8. Oktober 1943 teilweise vernichteten Bücherei ein Heim in der Landesbibliothek zu finden, die er dort jahrelang betreute. Seither rührt die enge Verbundenheit unseres Vereins mit der Landesbibliothek. Am 31. Januar 1948 wurde Greß als Beisitzer in den Vorstand des Vereins berufen, 1949 übernahm er die Vereinsgeschäftsstelle. Unter drei Vorsitzenden hat er die Hauptlast der Vereinsarbeit getragen. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er im Jahre 1963 zum Ehrenmitglied ernannt. Auch sonstige Ehrungen wurden ihm zuteil, wie etwa die Ernennung zum korrespondierenden Mitglied des Vereins HEROLD in Berlin.

Nicht vergessen sei die musische Seite seines Wesens. Mit vielen Künstlern stand er als Kenner und Sammler in Verbindung. Seine Sammlung von Bildern des mit ihm befreundeten schwäbischen Malers Robert Breyer (1866 - 1941) dürfte die umfassendste Vereinigung der Werke dieses Künstlers in einer Hand sein.
Als stets freundlicher und hilfsbereiter Berater im Ausleih- und Lesesaaldienst der Landesbibliothek wie auch im Kreise unserer Mitglieder, als einer der führenden Heraldiker Deutschlands, als gewissenhafter Geschäftsführer unseres Vereins, dessen nie versagendes Gedächtnis über alles Bescheid wußte, als vorbildliche und liebenswetle Persönlichkeit steht uns Walter Greß vor Augen. Sein Tod nach langem schwerem Leiden am 10. August 1967 in Stuttgart hat, was selten mit so gutem Recht gesagt werden kann, eine nur schwer zu schließende Lücke hinterlassen. Uns war er das, was er, wie er mit einer Art von bescheidenem Stolz von sich selbst zu sagen pflegte, immer nur sein wollte: der getreue Eckart unseres Vereins. (v. Ruepprecht)

 Kopf Briefbogen Walter Gress


Quellen:
(1) Bild von
(2) Text aus: v. Ruepprecht, Nachruf in: SWDB 12, Heft 5, Dezember 1967, S. 147/148 - dort Walter Greß
(3) Kopf Briefbogen Walter Gress, von: Rückseite A5 Stammliste Matthes (Erzberger) - dort Walter Gress
(4) Walter Gress in leo-bw
(5) Normdaten: GND/1012267709

Anmerkungen:
(a) Schreibweise des Nachnamens klären
(b)  Unvollständig: Biografie Nationalsozialismus